Donnerstag, 23. März 2017

23.03.2017 - Der Fisch

"Wir fuhren dann zum uralten San Clemente. (...) Zuunterst wurde ein Mithrasheiligtum aus dem dritten christlichen Jahrhundert erschlossen - also der Zeit, in der unter Aurelian der Mithraskult zur Staatsreligion erklärt wurde. Wir begannen im Mithräum, das eine Grotte nachahmt - an den Wänden Ruhelager, in der Mitte der Altar. (...) Die Stirnseite des Altars zeigt den Mithras in der Haltung, die sich in vielen seiner Tempel wiederholt. Der Gott tötet den Stier mit der Rechten, während er ihm mit der Linken die Augen verschließt. Unten trinken eine Schlange und ein Hund (...) sein Blut. Auch auf der Rückseite ist eine gewaltige Schlange dargestellt. Der Raum ist auf den Gegensatz und auf die Einheit von Tod und Leben gestimmt. Ich fragte mich: Warum wird ein Sonnengott in einer Grotte verehrt? Das beantwortet sich vielleicht eben durch diesen Gegensatz. (...) Findet am Ende der Epochen ein symbolisches Opfer ihrer kosmischen Herren statt? Der Stier stirbt im Goldenen Kalb, der Widder im Lamm. Und wie gehen die Fische zugrunde?"
Ernst Jünger: Siebzig verweht I. Rom, 16. Mai 1968

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