"Wir fuhren dann zum uralten San Clemente. (...) Zuunterst wurde ein
Mithrasheiligtum aus dem dritten christlichen Jahrhundert erschlossen -
also der Zeit, in der unter Aurelian der Mithraskult zur Staatsreligion
erklärt wurde. Wir begannen im Mithräum, das eine Grotte nachahmt - an
den Wänden Ruhelager, in der Mitte der Altar. (...) Die Stirnseite des
Altars zeigt den Mithras in der Haltung, die sich in vielen seiner
Tempel wiederholt. Der Gott tötet den Stier mit der Rechten,
während er ihm mit der Linken die Augen verschließt. Unten trinken eine
Schlange und ein Hund (...) sein Blut. Auch auf der Rückseite ist eine
gewaltige Schlange dargestellt. Der Raum ist auf den Gegensatz und auf
die Einheit von Tod und Leben gestimmt. Ich fragte mich: Warum wird ein
Sonnengott in einer Grotte verehrt? Das beantwortet sich vielleicht eben
durch diesen Gegensatz. (...) Findet am Ende der Epochen ein
symbolisches Opfer ihrer kosmischen Herren statt? Der Stier stirbt im
Goldenen Kalb, der Widder im Lamm. Und wie gehen die Fische zugrunde?"
Ernst Jünger: Siebzig verweht I. Rom, 16. Mai 1968
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