Mittwoch, 15. März 2017

15.03.2017 - Antikatholizismus

Bis 1875 gab es keinerlei rechtliche Barrieren für Immigranten. Zwischen 1840 und 1914 kamen 24 Millionen Einwanderer in die Vereinigten Staaten. Die Politik der offenen Tür war für das aufstrebende Land sinnvoll, wurden Arbeitskräfte doch händeringend gesucht. Trotzdem begrüßte die eingesessene Bevölkerung die Immigranten keineswegs mit offenen Armen. In den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts entstand eine nativistische Partei, die gebürtige Amerikaner vor den Neuankömmlingen schützen wollte. 

Viele ihrer Mitglieder waren Protestanten, die gegen Katholiken aus Irland und Deutschland agitierten. Der Antikatholizismus gehörte seit der Kolonialzeit zum kulturellen Repertoire des Landes, wirkt sich aber politisch erst seit jenen Jahren aus, als Hungersnöte Hunderttausende von Iren und Deutsche über den Atlantik trieben. In manchen Städten geriet die eingesessene Bevölkerung in die Minderheit. Wohnungsnot und verschärfte Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt waren die Folge.
 

Verschwörungstheorien grassierten. Die Einwanderer schienen die Vorhut des Papstes zu sein. Seine Armee, so die damaligen Fake News, würde Amerika bald angreifen und in Cincinnati einen neuen Vatikan errichten. Katholiken seien aufgrund ihres Gehorsamsgelübdes gegenüber dem Papst unzuverlässig und nicht integrierbar. In den Zentren der katholischen Einwanderung in Neuengland kam es wiederholt zu blutigen Übergriffen. Katholische Priester wurden geteert und gefedert, ihre Kirchen Brand gesteckt. Seit dem Bürgerkrieg verlor der Nativismus an Bedeutung. Gleichwohl blieben Katholiken Bürger zweiter Klasse. Erst 1961 bezog mit John F. Kennedy der erste und bis heute einzige Katholik das Weiße Haus.
 

Ende des neunzehnten Jahrhunderts schnellten die Zahlen der Einwanderer wieder hoch. Damit war der Nährboden für ein Wiederaufleben des Nativismus bereitet. Die Ressentiments blühten auch deshalb wieder auf, weil sich der Schwerpunkt der Auswanderung nach Ost- und Südeuropa verschoben hatte und sich damit neue ethnische Gräben auftaten. Katholiken aus Polen und Italien sowie orthodoxe Juden aus Russland waren der protestantischen Mehrheitsgesellschaft zutiefst suspekt.

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