Bis 1875 gab es
keinerlei rechtliche Barrieren für Immigranten. Zwischen 1840 und 1914
kamen 24 Millionen Einwanderer in die Vereinigten Staaten. Die Politik
der offenen Tür war für das aufstrebende Land sinnvoll, wurden
Arbeitskräfte doch händeringend gesucht. Trotzdem begrüßte die
eingesessene Bevölkerung die Immigranten keineswegs mit offenen Armen.
In den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts entstand eine nativistische
Partei, die gebürtige Amerikaner vor den Neuankömmlingen schützen
wollte.
Viele ihrer Mitglieder waren Protestanten, die gegen Katholiken
aus Irland und Deutschland agitierten. Der Antikatholizismus gehörte
seit der Kolonialzeit zum kulturellen Repertoire des Landes, wirkt sich
aber politisch erst seit jenen Jahren aus, als Hungersnöte
Hunderttausende von Iren und Deutsche über den Atlantik trieben. In
manchen Städten geriet die eingesessene Bevölkerung in die Minderheit.
Wohnungsnot und verschärfte Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt waren die
Folge.
Verschwörungstheorien grassierten. Die Einwanderer schienen
die Vorhut des Papstes zu sein. Seine Armee, so die damaligen Fake News,
würde Amerika bald angreifen und in Cincinnati einen neuen Vatikan
errichten. Katholiken seien aufgrund ihres Gehorsamsgelübdes gegenüber
dem Papst unzuverlässig und nicht integrierbar. In den Zentren der
katholischen Einwanderung in Neuengland kam es wiederholt zu blutigen
Übergriffen. Katholische Priester wurden geteert und gefedert, ihre
Kirchen Brand gesteckt. Seit dem Bürgerkrieg verlor der Nativismus an
Bedeutung. Gleichwohl blieben Katholiken Bürger zweiter Klasse. Erst
1961 bezog mit John F. Kennedy der erste und bis heute einzige Katholik
das Weiße Haus.
Ende des neunzehnten Jahrhunderts schnellten die
Zahlen der Einwanderer wieder hoch. Damit war der Nährboden für ein
Wiederaufleben des Nativismus bereitet. Die Ressentiments blühten auch
deshalb wieder auf, weil sich der Schwerpunkt der Auswanderung nach Ost-
und Südeuropa verschoben hatte und sich damit neue ethnische Gräben
auftaten. Katholiken aus Polen und Italien sowie orthodoxe Juden aus
Russland waren der protestantischen Mehrheitsgesellschaft zutiefst
suspekt.
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