Mittwoch, 29. November 2017

29.11.2017 - Wesentlich

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Eduard Mörike

28.11.2017 - Humanität

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Ernst Jünger

Montag, 27. November 2017

27.11.2017 - Schmutz



In Berlin wird Stillosigkeit zu Stil erklärt, Schäbigkeit für Lockerheit gehalten, Größenwahn mit Überlegenheit verwechselt, Gleichgültigkeit mit Toleranz, Kleinkariertheit mit Prinzipientreue, Ungehobeltheit mit Schlagfertigkeit und Ruppigkeit mit Humor.
Berlin trägt das Prädikat „Hauptstadt“ in preußisch­ militärischer Manier. Der Titel als Rang. Die anderen Städte sollen parieren. Klaglos akzeptieren, wie das knapper werdende Geld nach Berlin umverteilt wird. Auch in der Kultur. Zum Selbstverständnis der Hauptstadt zählt: Wer Unter den Linden etwas fahren lässt, produziert Haupt­stadtkultur, weil er es Unter den Linden fahren lässt.
Das freilich ist komisch in einem Land, dessen größte Geister stets aus Provinzstädten heraus Weltkultur schufen – Goethe in Weimar, Bach in Orten wie Koethen, Dürer in Nürn­berg, Kant in Königsberg. Wer von Berliner Kultur spricht, denkt weniger an Philharmoniker oder Museumsinsel als an die weltberühmte Leitkultur dieser Stadt. Den Grad an Zivili­siertheit kann der Berlin­Bewunderer nicht meinen.
Denn in Berlin wird Stillosig­keit zu Stil erklärt, Schäbigkeit für Lockerheit gehalten, Grö­ßenwahn mit Überlegenheit verwechselt, Gleichgültigkeit mit Toleranz, Kleinkariertheit mit Prinzipientreue, Ungeho­beltheit mit Schlagfertigkeit und Ruppigkeit mit Humor. Und das hochgerühmte ewige Unvollendetsein dieser Stadt ist nichts als vollendete Ignoranz gegenüber allen üblichen ästhe­tischen Maßstäben wie Sauberkeit (auch im Denken), Manie­ren, Ordnungssinn, Klarheit.
Es ist die schmutzigste Hauptstadt Europas. Das stört aber niemanden. Die Silvesterraketen verstopfen bis Heilige Drei Könige (unbekannt in Berlin) die Rinnsteine. Vielleicht schneit es ja. Dann amalgamiert der nicht geräumte Schnee mit Schmutz, bis alle Passanten ausgerutscht sind.
Die Berliner sind die am schlechtesten gekleideten Haupt­städter Europas, weil die Ignoranz gegenüber Form und Sinn geistige Unabhängigkeit und Überlegenheit signalisiert. Wer in Unterhemd und zerschlissener Jeans eine Staatsopern­premiere besuchen möchte, macht in Berlin nichts falsch. Ausgerechnet die Angst davor, als konventionell zu erschei­nen, macht den Berliner vollkommen beliebig.
Der gemeine Berliner ist kein Hauptstädter, ja noch nicht einmal ein Berliner. Denn er verschanzt sich in seinem Kiez, kommt aus Charlottenburg oder Kreuzberg kaum heraus und vom Prenzelberg kaum herunter – auch wenn der Be­griff „Berg“ ein ähnlicher Euphemismus ist wie das Wort Eleganz für den Sperrmülllook der angesagten Restaurants. Am innovativsten ist der Berliner tatsächlich dann, wenn er mitten in der Stadt Land spielt. Im Urban Gardening an allen Ecken und Enden ist Berlin Weltspitze. Es gibt nichts, was nicht wächst. Außer der besseren Einsicht.
Nichts symbolisiert Berlin treffender als seine klassenlose Currywurst. Dank scharfer Soße ist die geronnene Paste aus Fleischabfällen nicht zu schmecken. Dafür steht der Berliner Schlange. Die Hauptstadt ist zwar nicht in der Lage, eine brauchbare Verwaltung zu organisieren, aber die flächen­deckende Versorgung mit Currywurst klappt anstandslos. Des Berliners einzige Haltung gegenüber der Wirklichkeit ist Wurstigkeit. Sie beschädigt oft genug auch seine antikapita­listische Gesinnung, auf die er so stolz ist.
Immer wieder werden den Profiteuren aller Länder Filet­stücke überlassen. Wie die Stadt nach der Wende eine städte­bauliche Jahrhundertchance versemmelt hat, ist unfassbar.
Vom Potsdamer Platz bis zum Bahnhofsviertel dominiert lang­weilige Investorenarchitektur. Die besten Architekten der Welt haben in Berlin (soweit es sich nicht um Bundesbauten oder Botschaften handelt) ihre schlechtesten Entwürfe realisiert – weil sie nicht anders durften, als Gebäude zu fabri­zieren, die in Reih und Glied stehen wie ein Garderegiment. Und nichts hat Berlin gelernt.
Am Kulturforum soll künftig eine Art überdimensionierter Museums­-Lagerschuppen zwischen der Philharmonie Hans Scharouns und der Nationalgalerie Mies van der Rohes das Ensemble verschandeln.
Wegen seiner Wurstigkeit kennt der Berliner auch keinen Stolz. Was wie Stolz aussieht, ist nur Überheblichkeit. Emp­ffände er so etwas wie Stolz, würde der Berliner nicht das Brandenburger Tor, Symbol des ganzen Landes, zur Event­kulisse profanisieren und die dazugehörige historische Auf­marschallee nahezu ganzjährig zur Partymeile.
Überhaupt ist die Behinderung des öffentlichen Verkehrs die einzige Aktivität der Stadtverwaltung, von der der Bür­ger präzise Kenntnis erhält. Aber auch die eiserne Gelassen­heit der Bevölkerung gegenüber permanenter Belästigung durch fahrendes Volk in den öffentlichen Verkehrsmitteln zählt zum Lebensstil der deutschen Hauptstadt.
„Is mir egal“ wurde zur Hymne der Hauptstadt, weil der Re­frain ins Schwarze trifft. Der Song des Rappers Kazim Ak­boga wurde – sehr passend – mittels eines Werbespots der Berliner Verkehrsbetriebe berühmt. Wenn es auch seltsam berührt, dass sich der Künstler kurz nach seinem Erfolg vor einen Zug geworfen hat.
(Wolfgang Herles)

26.11.2017 - Sozi



Die Forderung der SPD nach einer Bürgerversicherung im Gesundheitswesen ist in der Ärzteschaft auf breite Ablehnung gestoßen.
„Wer die Bürgerversicherung will, der startet den Turbolader in die Zwei-Klassen-Medizin“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, am Montag in Berlin. Noch gehöre das deutsche Gesundheitssystem zu den besten der Welt. Die Folgen eines Einheitssystems wie in den Niederlanden wären Rationierung, längere Wartezeiten und eine Begrenzung der Leistungskataloge.
„Diejenigen, die es sich leisten können, sichern sich dort einen exklusiven Zugang zur Spitzenmedizin als Selbstzahler oder durch teure Zusatzversicherungen“, sagte Montgomery. Wenn die SPD jetzt die Bürgerversicherung zur Voraussetzung für mögliche Sondierungsgespräche mit der Union mache, dann würde dies „unser leistungsstarkes System aus den Angeln“ hebeln. Nicht zuletzt würden der medizinischen Versorgung Mittel in Milliardenhöhe entzogen.
Auch Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), warnte, die Bürgerversicherung würde „kein einziges der potenziellen Probleme lösen, vor allem nicht die Herausforderungen einer älter werdenden Bevölkerung“. (WELT)

25.11.2017 - Szene



Schwule dürfen heiraten, die Parade des CSD zählt zum Inventar der Stadtfestivitäten. Doch wie war das früher? Als Schwule verprügelt und in den Knast geworfen wurden. Claudius Gädeke und Sven Tomschin erzählen mit ihrem Film über die Schwulenszene auch ein Stück Stuttgarter Stadtgeschichte.
Der Brief kam von der Mutter. Hannes Steinert hatte eben sein „Bekenntnis abgelegt“, wie man anno 1975 „das Outing nannte“. Er sei schwul, hatte er seine Mutter wissen lassen. Sie schrieb: „Bei Hitler wären so Leute wie Du vergast worden!“
Es ist nicht die einzige Szene aus dem Film „Queer Life in the City: Stuttgart“, bei der man schlucken muss. Kaum mehr vorstellbar erscheint einem vieles aus heutiger Sicht. Hätte man Steinerts Mutter damals erzählt, dass 2017 ein Bundestagsabgeordneter der CDU und der Chef der CDU-Gemeinderatsfraktion schwul sind und es keinen schert, wäre sie wohl vom Glauben abgefallen. „Uns steht die Welt offen“, sagt Claudius Gädeke (38). Klar, auch er wurde schon „als schwule Sau“ angefeindet, aber da „stehe ich drüber: Ich weigere mich, die Opferrolle anzunehmen“! Wie sein Kumpel Sven Tomschin (29) geht er mit aufrechtem Kreuz durchs Leben. Doch worin gründet diese Selbstsicherheit? Wie haben sich Selbstbewusstsein und Stolz entwickelt? Das wollten sie sich und ihren Altersgenossen mit ihrem Film zeigen.
Spurensuche in der eigenen Stadt
Seit einiger Zeit schon erstellen die beiden Stuttgarter als „Sissy that talk“ Filme für den Videokanal Youtube und fürs soziale Netzwerk. Tunten, die quatschen, könnte man das übersetzen. Und quatschen tun sie beide gerne, weil sie auch den gleichen ­Humor teilen, taten sie sich als Filmemacher zusammen. Sie geben Serientipps, sinnieren über Madonna, denken aber auch über ­Trump nach und berichten über die Ermordung von Schwulen in Tschetschenien. Nun gingen sie also mit Kameramann Oliver Staubi auf Spurensuche in der eigenen Stadt, sprachen mit Künstler Hannes Steinert, Aktivist Ralf Bogen und Schwulenmama Laura Halding-Hoppenheit. Was sie dabei erfuhren, fassen sie so zusammen: „Zeit des Versteckens, Zeit des Erwachens, die Katastrophe in Form von Aids und die Sichtbarkeit.“ Das Symbol für die Jahre nach dem Krieg ist das Hotel Silber. Dort hatte die ­Gestapo Schwule verprügelt und inhaftiert, dort schikanierte die bundesdeutsche Polizei und Justiz nach dem Krieg Schwule. 20 000 Männer wurden in der Bundesrepublik im Hotel Silber verhört, 7000 kamen in den Knast. Man kann die Moral jener Jahre so zusammenfassen: Männer, die Männer küssten, kamen ins Gefängnis, Männer, die ihre Ehefrauen vergewaltigten, durften dies von Rechts wegen. 1994 schaffte man den Paragrafen 175 ab, der „Unzucht zwischen Männern“ unter Strafe stellte. 1997 wurde die Vergewaltigung in der Ehe strafbar.
Erinnerungen an den „Ho-Chi-Minh-Pfad“
Steinert erzählt aus jenen Jahren. Von der Not, ja nicht aufzufallen. Wie er als Lehrling von den Kollegen eingeladen wurde, in den Puff mitzukommen. „Die zahlten den Fick, ich zitterte vor Angst“, erinnerte er sich, „da streichelte mir eine Hure mit Namen Rosemarie die Wange, sagte: Jetzt trinkst du eine Cola, dann gehst du raus und sagst: Es war geil!“ Er erzählt von der Partnersuche am „Ho-Chi-Minh-Pfad“, jenen Gehölzen im Schlossgarten, oder auf öffentlichen Toiletten. Verprügelt wurde er, vergewaltigt, ohne dass er sich zur Polizei getraut hätte. Die war der Feind, kannte bei Razzien kein Pardon.
Auch Halding-Hoppenheit kann sich an das Klima der 70er Jahre erinnern. Mit ihren Kindern war sie auf dem Spaziergang, da rotzte ihr ein gut situierter Herr auf den Jeansrock und giftete: „Sie machen unsere Kinder schwul.“ In Lauras King’s Club, im Boots, im Goldenen Heinrich, in Schwulensaunen fand man Refugien, blieb unter sich. 1978 outen sich 600 schwule Männer im „Stern“, Steinert gehört dazu. Man zeigte sich, nannte sich stolz „schwul“. Rosa Funke und die Weißenburg wurden gegründet als Interessenvertretung, man mischte sich ein. 1979 veranstalteten einige Unentwegte den ersten CSD in Stuttgart. Dann schlug Aids zu. „Wir dachten, wir entfalten unsere ­Flügel“, sagt Laura Halding-Hoppenheit“, „dann kam der Weltuntergang.“ Auch Ralf Bogens Partner starb an dem Virus. „Damals gab es jeden Monat eine Beerdigung“, sagt er. Oft genug wollten die Familien von den Kranken nichts mehr wissen. Laura erinnert sich an einen Sterbenden, dem die Mutter sagte: „Bub, was hast du uns angetan!“
Hannes Steinert wart vor Selbstgefälligkeit
Die Schwulen standen am Pranger. Die Angst ging um, auch in der Szene zerstritt man sich, zog sich zurück in seiner Trauer. Doch das Leben ging weiter, man hatte „den Scheißvirus“ überlebt, sagt Bogen, „das Versteckspiel musste aufhören“. 1985 gründete man die Aids-Hilfe, man informierte, klärte auf, zeigte sich. Bogen: „Durch Aids wurden wir sichtbar, viele Leute sahen erstmals, wer alles schwul ist, auch Männer, die sehr männlich sind wie Rock Hudson und Freddie Mercury.“ Mittlerweile ist eine ­Infektion kein Todesurteil mehr. Und heute? „Wir sind viel emanzipierter“, sagt Bogen, „es gibt kaum noch Räume, wo wir uns separieren.“ Heutzutage scheint es so zu sein, dass man die Schwulenszene als Lackmustest benutzt: Wie hältst du es mit den Schwulen, dann sagen wir dir, wie modern deine Gesellschaft ist. „Maskottchen wollen wir nicht sein“, sagt Gädeke. Zumal man bei der „Demo für alle“ Schilder sah, auf denen stand: „Homosexualität ist Sünde“ oder „Schützt Schulen vor pädophilen Homo-Lehrern“. Steinert warnt, vor lauter Selbstbewusstsein zu selbstgefällig zu werden: „Die Gesellschaft wandelt sich ständig, und alles was erreicht worden ist, kann schnell wieder aufs Spiel gesetzt werden.“ Laura Halding-Hoppenheit ergänzt: „Kämpf, sei politisch!“ Wenn man den Zustand der Welt betrachtet, ist dies ein guter Tipp für alle: gleichgültig, ob man Männlein oder Weiblein liebt.
(Von Frank Rothfuss, Stuttgarter Zeitung)

Freitag, 24. November 2017

24.11.2017 - Feindseligkeit

Die Feindseligkeit, die Männern derzeit pauschal und von allen Seiten entgegenschlägt, ist grotesk. Die Sexismus-Debatte offenbart ein neues Phänomen: Zwischen Anmache und sexuellem Missbrauch wird kaum mehr differenziert. Und für eine Anschuldigung braucht es keinen Beweis mehr, die Geschichte eines „Opfers“ genügt. Das sollte man als Mann besser im Kopf haben, möchte man nicht eines Tages für eine unbewusste menschliche Geste oder ein blödes Anbaggern sozial gelyncht werden.
Der Weinstein-Skandal wird verlängert, es scheint zum Trend geworden, Männer öffentlich und rückwirkend der sexuellen Belästigung zu bezichtigen. Eine ehemalige Filmpraktikantin wirft Dustin Hoffman sexuelle Belästigung vor wegen eines „Ich nehme ein hartgekochtes Ei und eine weichgekochte Klitoris“ vor 26 Jahren. Der britische Verteidigungsminister ist zurückgetreten wegen Knietätscheln vor 15 Jahren. Steven Seagal soll vor 22 Jahren eine Schauspielerin im offenen Kimono und Unterwäsche empfangen, Sepp Blatter vor fünf Jahren an Hope Solos Po gegriffen haben. Adam Sandler legte neulich in einer TV-Show seine Hand kurz aufs Knie einer Schauspielerin und ein ehemaliger Diplomat sah sich zu einer Entschuldigung gezwungen, weil er die deutsche SP-Politikerin Sawsan Chebli als „jung und schön“ bezeichnete – eine für sie sexistische Beleidigung, die sie auf Twitter mit „Es war einfach nur krass“ kommentierte. (Ich persönlich finde ja eher krass, dass dann wegen Aussagen wie der von Chebli Frauen wie ich leiden – wenn uns aus Angst kein Mann mehr sagt, wir seien jung und schön).
Es gibt ein Wort dafür, wenn eine unbewusste menschliche Geste, ein Kompliment oder auch „Dirty Talk“ zum Sexismus-Skandal hochstilisiert werden, und der Aufschrei und die mediale Aufmerksamkeit wegen Masturbierens bald größer ist als bei einer Meldung wegen Vergewaltigung: Hysterie. Weil emotionsgeladene Empfindsamkeit bei vielen rationales Denken aussetzen lässt, verlieren Menschen den Sinn für Proportionen: Sie vermengen Flirts, schlüpfrige Witze, Anbaggern, Belästigung, einvernehmliche Affären, Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe zu einem einzigen Potpourri. Dass für jeden die Unschuldsvermutung gilt, bis das Unrecht bewiesen ist – es scheint nicht mehr zu gelten. Dass ohne Abwägen oder konfrontierendes Gespräch gleich vom Schlimmsten ausgegangen wird – es ist zur Regel geworden. Der britische Journalist Peter Hitchens hat es in seiner Daily Mail-Kolumne über die „kreischenden, flatternden Ankläger“ so formuliert: „Bei dem Thema haben sie viel gemein mit militanten Islamisten. Auch sie glauben, dass man von allen Männern annehmen müsse, sie seien sabbernde Raubtiere.“ (Tichy)

Donnerstag, 23. November 2017

23.11.2017 - Verhalten


Sozi-Versagen
Wenn die Sozis meinten, Deutschland befände sich im politischen Notstand, dann haben die Sozis die Möglichkeit zu sagen: Wir sind bereit, mit der Union über eine Koalition zu sprechen - aber ohne Angela Merkel. Aber das wird nicht geschehen... die Sozis hatten leise gepfiffen (Oppermann: "Wenn überhaupt ohne Merkel"), jetzt pfeifen sie nicht mehr ... sind feige und pressen ihren Mund einfach zu.
Das war immer schon die Sozi-Haltung ... ohne Charakter ... das typische Sozi-Chaos ... wie im ersten Weltkrieg im Reichstag (Finanzierung des Krieges) oder 1933 zur Ermächtigung (teilweise der Nazi-Emächtung zustimmen, anderen Teilen weniger und anderen Teilen nicht)... typisches heftiges Sozi-Versagen ... nach dem alten Motto: Wer hat uns versagen, Sozialdemokraten... die schön gestrickte Mär von der verfolgten Unschuld (verfolgt von Monarchen, Kapitalisten, Klerikalen, …aber das ist schon lange Vergangenheit) ...

22.11.2017 - Angela

Die grüne Merkel
Es muss rührend gewesen sein in der Trauer um die verpatzte Liebesheirat. Claudia Roth umarmt Thomas de Maizière, Cem Özdemir prostet mit Thomas Strobl, Robert Habeck datet Peter Tauber auf ein Bier, und Kanzleramtsminister Peter Altmaier lobt Claudia Roth. Das schwarz-grüne Projekt war in der Sondierung nicht nur programmatisch, sondern auch menschlich gereift.
Spiegelbildlich dazu die Ablehnung, ja der Zorn auf die Liberalen. Das macht deutlich, wo die Union, die von Angela Merkel geführte, heute steht. Tendenziell an der Seite der Grünen, in jedem Fall gegen jeden Versuch, den etatistischen Fundamentalismus der Berliner Republik zu reformieren.
Es mag sein, dass die FDP Wähler verprellt hat, sicher ist, dass Unionswähler, die ihre Partei im Zweifel an der Seite der bürgerlichen Liberalen wissen wollen, garantiert enttäuscht werden.(...)
Es gibt kein schwarz-gelbes Projekt mehr. Zumindest nicht, solange Angela Merkel die CDU führt. Außer dem mutigen, kerzengeraden Jens Spahn gibt es kaum noch Leute, die wagen, diese Strategie infrage zu stellen.
Nach einem miesen Wahlergebnis und einer grottig gescheiterten Sondierung müssten in einer lebendigen Volkspartei Stimmen laut werden, die zumindest leise Fragezeichen hinter die Führung und deren Strategie setzen.
Exklusiv für Abonnenten
Kann am Morgen danach schon wieder lachen: FDP-Chef Christian Lindner
Angst vor Chaos-Regierung
Deshalb stieg die FDP aus Jamaika aus
Doch nichts. Gar nichts. Bleiern verweigert sich die Union jeder Selbstkritik. Das macht deutlich, wie zart das Selbstbewusstsein geworden ist. Ohne Spahn wäre die CDU monochrom. (WELT)

Dienstag, 21. November 2017

21.11.2016 - Misstrauisch

Misstrauisch sein ... Beifall für Merkel
Es ist durchaus möglich, dass FDP-Chef Christian Lindner die Verhandlungen abgebrochen hat, weil er ein gewissenloser Egomane ist. Aber die Grünen, die ihm jetzt mangelnden Patriotismus vorwerfen, gehören zu genau der Partei, in der „Patriot“ noch immer eher Schimpfwort als Auszeichnung ist.
Vielleicht hat Christian Lindner ja auch aus Überzeugung gehandelt, nur dass uns Überzeugungen nach über einem Jahrzehnt Merkel-Regierung fremd g
eworden sind. Die Grünen sind nicht nur, aber auch eine autoritäre Verbotspartei, die dazu aufruft, den Nachbarn zu denunzieren, wenn er sich das Bad schick fliesen lässt („Luxussanierung“). Dass Menschen die Fliesen in ihrem eigenen Bad nicht frei wählen sollten, ist eine Überzeugung, die man haben kann – bloß passt sie nicht zur FDP, hat sie nie. Wie sollten sich Lindner und Trittin je darüber einigen, ob man durch das Nistgebiet eines seltenen Vogels Glasfaserkabel für schnelleres Internet verlegen darf?
Das sollte uns misstrauisch machen. Was man uns Wählern zugestehen muss: Politiker machen es uns schwer, nicht in Verdruss zu verfallen. Die FDP bricht „überraschend“ die Verhandlungen ab, hat aber schon eine komplette Social-Media-Kampagne mit abgestimmtem Slogan („Lieber nicht regieren als falsch“) vorbereitet. CDU und Grüne halten nächtliche Pressekonferenzen ab, bei denen noch jeder Unterunterunterhändler mit ins TV-Bild will, um dann ergriffen das eigene Scheitern zu beklatschen. (BILD)

Montag, 20. November 2017

20.11.2017 - Ganz einfach

Unfähig 
Gottseidank ist das peinliche Gezerre um die FDJ-Sekretärin a. D. Merkel, um die Gouvernanten-Grünen und die Liberalen vorbei ... Man hat Merkel angemerkt, sie hat Demokratie im Pfarrerhaus nicht gelernt, in der diktatorischen DDR auch nicht, die sie gnadenlos unterstützt hat... Und nun? Jetzt will sie wieder Kanzlerin in Deutschland werden ...
Wenn die Sozis demnächst umfallen (wie bei der Finanzierung des ersten Weltkrieg im Reichstag), und einfach vor sich hinlügen ... und behaupten, sie hätten nach der Bundestagwahl nicht ganz die Wahrheit gesagt haben ... und nur geflunkern, das mit der Opposition und keine Große Koaltion machen ... jetzt ist die Situation in Deutschland eine andere ... dann heißt es wieder: wer hat uns verraten, die Sozialdemokraten ...
Die schlichte Wahrheit ist: Das Volk muss jetzt wählen, weil die deutschen Parteien nicht fähig sind ... ganz einfach ...

19.11.2017 - Elend

Lobgesänge
Heute halten viele Menschen die Aufklärung des 18. Jahrhunderts für eine aufregende Epoche der Vernunft. Ein unerwartetes Ereignis, das neue Energien freisetzte und die frühneuzeitliche Welt auf den Kopf stellte – dank mutiger Kritiker, die Macht, Stolz und Vorurteil verurteilten, die urplötzlich anders dachten, sich eine kühne Zukunft vorzustellen wagten und die ihre Mitbürger anhielten, sich für diese Zukunft einzusetzen und sie zu verwirklichen.
Diese Auffassung
ist leider eine starke Vereinfachung. In Wahrheit war der intellektuelle Umbruch, der im Nachhinein Aufklärung genannt wurde (bei diesem Ausdruck handelt es sich hauptsächlich um einen Neologismus aus dem 19. Jahrhundert, üblicherweise verbreitet von ihren Gegnern), eine viel chaotischere Angelegenheit. Historiker, Philosophen und politische Denker warnen uns vor einer übermäßig optimistischen und deterministischen Interpretation dieser Ära. Großspurige Lobgesänge der „Aufklärung“ sind aus guten Gründen völlig aus der Mode.
„Die radikalsten Denker der Aufklärung rebellierten gegen das allgemeine Elend. Sie prangerten die pessimistischen Stimmen in den eigenen Reihen lautstark an.“ (Tichy)