Dienstag, 31. Oktober 2017

31.10.2017 - Müntzer

Der deutsche Revolutionär Thomas Müntzer
 "Betrachtet Euren Gott aus der Nähe und nicht aus der Ferne; glaubt, dass Gott lieber spräche, wenn Ihr bereit seid zum Hören!"
Thomas Müntzer schreibt dies 1522 in einem Brief an Philipp Melanchthon, die rechte Hand des deutschen Reformators Martin Luther. Seine Mitstreiter in Wittenberg sollten nicht so sehr am toten Buchstaben der Bibel kleben. Stattdessen sollten sie dem heiligen Geist mehr Raum geben. So würden sie von Gott direkt angesprochen.
"Liebe Brüder, lasst Euer Trödeln! Es ist Zeit! Lasst Euer Säumen; der Sommer ist da. Sucht keinen Ausgleich mit den Verworfenen; denn die verhindern, dass das Wort mit großer Kraft wirkt. Auch Eurem Fürsten schmeichelt nicht; sonst werdet Ihr zugrunde gehen, und davor behüte Euch der hochgelobte Gott." ...
Müntzers Appell an die Fürsten bleibt ohne Antwort und seine Anhänger verlieren im Sommer 1524 zunehmend an Rückhalt. Thomas Müntzer ist sich inzwischen sicher, ...
"... dass ein Blutvergießen über die verstockte Welt ergehen soll, um ihres Unglaubens willen. Die Herren und Fürsten, wie sie sich jetzt darstellen, sind keine Christen."
Müntzer verlässt Allstedt und sucht in Thüringen in der freien Reichsstadt Mühlhausen einen neuen Wirkungskreis. Dort bereitet er den Boden für ein "anderes Regiment" vor. Er gründet mit Gleichgesinnten den "Ewigen Bund Gottes", eine endzeitlich gestimmte Bewegung, die sich gegen Fürsten und Klerus auflehnt. Diese Rebellion gegen die Obrigkeit - sie kann vor 500 Jahren nur in einem Blutvergießen enden.

Montag, 30. Oktober 2017

30.10.2017 - God's Own Country



Großes Kino aus England

Zäune bauen, Liebe finden


Das stille Drama "God's Own Country" erzählt vom harten Leben in der englischen Provinz und von der Liebe zweier Männer. Mit "Brokeback Mountain" hat der Film trotz des ähnlichen Sujets wenig zu tun.


Von Oliver Kaever
 

Das Leben ist hart in den nordenglischen Pennine Hills von Yorkshire. Wer den kargen Äckern etwas abtrotzen will, die sich hier an archaisch anmutende Felshügel krallen, braucht dafür seine ganze Kraft. Steine schleppen, Zäune bauen, Lämmern und Kälbern auf die Welt helfen - harte körperliche Arbeit bestimmt den Tagesrhythmus. Da kann abends schon mal die Kraft für ein vernünftiges Gespräch fehlen, schon gar über etwas hier so zweitrangiges wie Gefühle.

Jungbauer Johnny (Josh O'Connor), Mitte 20, hat sich dieses Leben nicht ausgesucht. Er lebt es einfach. Wie sein Vater vor ihm. Abends wechseln die beiden noch ein paar knorrige Sätze darüber, wann die Kuh wohl kalbt und dass der kaputte Steinzaun geflickt werden muss. Dann fährt Johnny in den nächsten Pub und säuft sich besinnungslos.

Ausgerechnet in diese harsche Welt verlegt der englische Filmemacher Francis Lee für sein Langfilmdebüt eine schwule Liebesgeschichte. Und forderte bei der Premiere von "God's Own Country" beim Sundance Filmfestival Anfang des Jahres wenig überraschend Vergleiche mit Ang Lees "Brokeback Mountain" heraus, dem Oscar-prämierten Drama um zwei schwule Cowboys - zumal beide Filmemacher auch noch den Nachnamen teilen.

Die Parallelen mögen sich aufdrängen, hören aber eigentlich bei der sexuellen Orientierung der Hauptfiguren schon wieder auf. Und wenn man doch unbedingt vergleichen muss: In einem direkten Duell ginge "God's Own Country" als klarer Sieger vom Platz. Was vor allem daran liegt, dass Francis Lee für seine Geschichte nicht wie Namensvetter Ang den Ton des überlebensgroßen Dramas wählt und sie damit ins Ungefähre rückt, sondern ganz aus dem Alltag seiner Hauptfiguren entwickelt.

Johnnys love interest ist der rumänische Wanderarbeiter Gheorghe (Alec Secareanu), und die beiden haben sich zunächst nichts zu sagen. "Zigeuner" nennt Johnny ihn, bis Gheorghe mit den Fäusten klarstellt, wer hier der Stärkere der beiden ist.

Der Vater kann nach einem Schlaganfall kaum noch laufen, also lastet die gesamte Verantwortung auf Johnnys Schultern. Bei der gemeinsamen Schufterei lernen der Hilfsarbeiter und der Jungbauer sich kennen, Gesten und Blicke ersetzen Sprache, und irgendwann wälzen die beiden sich im Schlamm. Sex ist einfacher als viele Worte.

Regisseur Francis Lee kennt das Leben auf einer Farm in diesem Landstrich, er wuchs selbst hier auf; der Bauernhof seiner Eltern liegt nur zehn Minuten vom Drehort entfernt. Lee bleibt immer ganz nah dran an seinen Helden, beobachtet jeden Handgriff. Die Handkamera geht auf Tuchfühlung, schenkt nur selten einen Blick auf nebelverhangene Landschaft.

Keine Musik lenkt vom Geschehen ab. Stattdessen kommt ein ausgeklügeltes Sound-Design zum Einsatz, das aus Vogelgezwitscher, röhrenden Traktoren und heulendem Wind auch abseits des Bildraums ein Leben inmitten unnachgiebiger Natur modelliert.

Aus diesem reduzierten filmischen Konzept entwickelt sich ganz langsam eine Liebesgeschichte. Johnny löst sich allmählich aus seiner emotionalen Erstarrung, weil Gheorghe ihn dazu zwingt. Einmal steht der auf einer Felskuppe, blickt über das Land und sagt: "Schön hier". Und Johnny blickt sich um, als sei er eben aus einem langen Schlaf erwacht und sehe die Schönheit seiner Heimat zum ersten Mal.

Mit Zärtlichkeit kann Johnny zunächst gar nicht umgehen, aber dann ist es zu spät. Liebe kommt ins Spiel, und er muss sich entscheiden, was er will. Zumal auch noch Johnnys Vater mit einem zweiten Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert wird.

Francis Lee hat über seinen Film gesagt, er wolle eine erste große Liebe unter schwierigen Umständen zeigen. Ob es dabei um eine schwule, lesbische oder heterosexuelle Liebe gehe, sei zweitrangig. Tatsächlich stehen andere Themen im Vordergrund: "God's Own Country" ist ein klassisches Entwicklungsdrama, es zeigt die schwierige Orientierungsphase eines jungen Mannes im Gestrüpp von familiärer Verpflichtung, heimatlicher Verbundenheit und eigenem Wollen. Aber gerade, weil Lee die schwule Liebesgeschichte als etwas so Selbstverständliches behandelt, entwickelt sie soziale Sprengkraft.

Schließlich denkt der Zuschauer die Ressentiments mit, die im ländlichen Raum noch immer herrschen, weit abseits der Freiheiten und ausdifferenzierten Lebenswelten der Großstädte. Trotzdem interessiert sich Lee herzlich wenig für etwaige ablehnende Reaktionen der Außenwelt, sondern allein für den Weg seiner Protagonisten.

Im Kern erzählt "God's Own Country" ja auch von der Kraft einer großen Liebe. Wie sie den Liebenden die Welt mit den Augen eines anderen sehen lässt. Und wie er sich durch diesen Blick selbst finden kann.


"God's Own Country"
Großbritannien 2017

Buch und Regie: Francis Lee
Darsteller: Josh O'Connor, Gemma Jones, Harry Lister Smith, Ian Hart, Alec Secareanu
Verleih: Salzgeber & Company Medien
FSK: ab 12 Jahren
Länge: 104 Minuten
Start: 26. Oktober 2017 


DER SPIEGEL

Sonntag, 29. Oktober 2017

29.10.2017 - Grenzenlos

"Das ist das Größte, was dem Menschen gegeben ist, daß es in seiner Macht steht, grenzenlos zu lieben."

Theodor Storm

Samstag, 28. Oktober 2017

28.10.2017 - Herbst

"Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fließen."

Eduard Mörike

Mittwoch, 25. Oktober 2017

26.10.2017 - Gefallen

"Kannst du nicht allen gefallen durch deine Tat und dein Kunstwerk, / mach' es wenigen recht; vielen gefallen ist schlimm."

Friedrich Schiller

25.10.2017 - Alt werden

"Das Bild der Geliebten kann nicht alt werden, denn jeder Moment ist seine Geburtsstunde."

Johann Wolfgang von Goethe

Dienstag, 24. Oktober 2017

24.10.2017 - Kinderkinder

MeinGott, jeder Mensch, der schon in Firmen gearbeitet hat, der weiß, dass Männer oder bestimmte Frauen für Sexmache offen sind...auf dem Schreibtisch, im Flur, im Fahrstuhl ... ich habe das beobachtet - über Jahre - und viele Kollegen andere auch ... nach dem Motto: Wer Sex in seinem Schaufenster ausstellt, darf sich über Kunden nicht wundern. Selbst in manchen Schule/Hochschulen  buhlen Schüler/Schülerinnen - Studenten/Studentinnen um bessere Noten - auch mit Sex ... das Drama ist so alt wie die Erde ... wie die Kuckuckskinder...

Montag, 23. Oktober 2017

23.10.2017 - Korrekt

Korrekter Journalismus
"Jimmy ist acht Jahre alt und ein Heroinabhängiger der dritten Generation, ein frühreifer kleiner Junge mit rotblondem Haar, samtig braunen Augen und Nadeleinstichen, die wie Sommersprossen die babyzarte Haut seiner dünnen braunen Arme überziehen." So beginnt eine Reportage von Janet Cooke, die im September 1980 in der "Washington Post" erschien - und die Zeitung in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise stürzte.
Denn das drogensüchtige Kind, dessen vermeintliches Schicksal eine Welle des Mitleids auslöste, gab es in Wirklichkeit gar nicht. Erst als Cooke für ihre Story den renommierten Pulitzerpreis erhalten sollte, brach ihr Lügengebilde zusammen.

Sonntag, 22. Oktober 2017

22.10.2017 - Abgrund

Richter und Staatsanwälte stellen fest, dass die Berliner Justiz „am Abgrund“ stehe. Die Vereinigung der Berliner Staatsanwälte konstatiert, ein funktionierendes Rechtssystem sei in der Hauptstadt nicht mehr vorhanden. Die Berliner Richter bestätigen dies, wie der „Tagesspiegel-Checkpoint“ jetzt berichtet: In einem dramatischen Brief des Landgerichtspräsidiums an die Justizverwaltung heißt es: „Wir wissen nicht, wie wir die Eingänge verteilen sollen.“ 19 von 21 Strafkammern haben demnach Überlastung angezeigt, wegen der Engpässe ist die rechtzeitige Eröffnung von Hauptverhandlungen vier Monate nach der Anklage gefährdet. Die Staatsanwaltschaft („Wir sind am Ende, wir können nicht mehr“) befürchtet Freilassungen von tatverdächtigen Kriminellen aus der Untersuchungshaft: „Eine tat- und schuldangemessene Ahndung von Straftaten ist beim Landgericht nicht mehr zu erwarten.“ (Tichy)

Samstag, 21. Oktober 2017

21.10.2017 - Herles

Unter dem Strich bietet die ARD den besseren Fernsehjournalismus. Mehr Vielfalt in einem Programm, weil dahinter keine zentralistische Organisation steckt wie der Mainzelmännchengesangsverein auf dem Lerchenberg. Vom Bayerischen Rundfunk bis zum WDR gibt es eine natürliche Vielfalt von Meinungen. Journalismus hat in der ARD doch noch einen höheren Stellenwert als im Unterhaltungs-Dampfer ZDF. Da darf sich kein Entertainer wie Markus Lanz unentwegt mit politischen Gesprächen überfordern und blamieren. Da machen sich verschiedene politische Magazine gegenseitig Konkurrenz – nicht bloß über die Quote. Deshalb müsste man, wenn überhaupt, über die Zukunft des ZDF nachdenken, dem Spezialkanal für Krimiserien. (Der sich gleich noch einen zweiten Spezialkanal für Krimis hält: ZDF neo.) Eine Kompanie von guten und sehr guten Redakteuren resigniert und hockt frustriert herum, weil ihre Sendungen dauernd ausfallen, dem Fußball oder „Feiertagsprogrammierungen“ weichen müssen. Und weil sie gezwungen werden, massenkompatiblen Mist zu produzieren. Dokus über die Weltmächte Aldi und Lidl etwa, statt über China und die USA. (Herles - Tichy)

Freitag, 20. Oktober 2017

20.10.2017 - Symphathie

Werden die Mörder von Hanns Martin Schleyer, Siegfried Buback, Jürgen Ponto, Alfred Herrhausen und dreißig anderen Opfern der RAF ihr Schweigen brechen und ihre Täterschaft offenlegen, wie von Bundespräsident Steinmeier gefordert? Das wäre, sowenig man darauf hoffen kann, nicht nur den Angehörigen zu wünschen.
Es ist eine schwärende Wunde am Körper des deutschen Rechtsstaats, dass gerade diese politischen Morde, die seine Standhaftigkeit prüften wie kaum etwas anderes, auch vier Jahrzehnte später nicht aufgeklärt sind. Zum Morden reichte der Fanatismus der Täter, zum „Bekennen“ schon nicht mehr. Geschwiegen hat auch die breite Sympathisantenszene, aus der heraus so mancher Karriere in dem „Schweinesystem“ machte, das zerstört werden sollte.
Der Terrorismus, mit dem Deutschland heute konfrontiert ist, trägt andere Züge. Doch fordert er den Staat als die Schutzmacht seiner Bürger nicht weniger heraus als die Anschläge der RAF: Die Dschihadisten wollen so viele Menschen wie möglich töten, auch wenn sie dabei ihr eigenes Leben verlieren. (FAZ)

19.10.2017 - Terror

Das runde Jubiläum des Deutschen Herbstes färbt die Erinnerung bunt. Die alten Filme laufen noch einmal auf den Bildschirmen und in den Köpfen ab. Was zählt der Terror der RAF noch angesichts der islamistischen Selbstmordattentäter? Die Zahl der Opfer damals (34 Tote zwischen 1971 und 1993) mutet lächerlich an im Vergleich. Heute kann es jeden treffen, nicht bloß „Charaktermasken des Schweinesystems“ und deren Fahrer und Bodyguards.
Wären da nur nicht diese großen blinden Flecken. Und dazu der raunende Satz des greisen Helmut Schmidt. In einem Interview hatte er gesagt: „Am Ende ist es gleichgültig, mit welcher Art von Terroristen wir es zu tun haben. Ob RAF, Araber, Nazis: Sie nehmen sich wenig in ihrer Menschenverachtung. Übertroffen werden sie nur von bestimmten Formen des Staatsterrorismus.“

Mittwoch, 18. Oktober 2017

18.10.2017 - Schönheit



Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheimgegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen!

 

Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
Denn ein Tor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe:
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!

 

Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!


August von Platen

Dienstag, 17. Oktober 2017

17.10.2017 - Selbstmord

Wen die Götter lieben, den holen sie früh zu sich ...  so auch Clay Adler ... ein Götterliebling ... er wollte es so ... und keiner konnte ihn hindern...

Clay Adler hat Selbstmord begangen. Er wurde nur 27 Jahre alt. Clay Adler erschießt sich vor den Augen seiner Freunde.
 

Wie berichtet wird, habe sich Adler bereits Ende des vergangenen Monats das Leben genommen. Seine Freunde mussten alles mitansehen - am 25. März mit seinen Kumpels zum Schießen in die Wüste gefahren. 

Dort habe er sich die Waffe an den Kopf gehalten - und abgedrückt. Am Tag darauf sei Clay im Krankenhaus an den schweren Schussverletzungen gestorben. 

Untersuchungen haben später ergeben, dass weder Alkohol noch Drogen für den Selbstmord des jungen Mannes verantwortlich waren.
 

Platen: "Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheimgegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen ..."

Montag, 16. Oktober 2017

16.10.2017 - Bücher

Tom Kraushaar ist der Verleger des viel diskutierten Buches „Mit Rechten reden“. Nun spricht er über die Tumulte auf der Frankfurter Buchmesse. Und sagt: Die linken Demonstranten „sind hysterisch“.
 

Nach den Tumulten auf der Buchmesse wird diskutiert, wie man mit rechten Verlagen umgehen soll. Bei Klett-Cotta erschien im Frühjahr das viel diskutierte Buch „Die autoritäre Revolte: Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“...

Sonntag, 15. Oktober 2017

15.10.2017 - Ganz

Nichts ist im Umgang mit Tätern so falsch wie „pastorale Loyalität“, nichts macht so blind für das Leid der Opfer wie der Drang, Schaden von der Institution Kirche fernzuhalten. Es spricht für die Kirchenoberen in Hildesheim, dass sie ihr Handeln von unabhängiger Seite haben überprüfen lassen. Die Ergebnisse sprechen nicht nur gegen sie, sondern gegen die Kirche als Ganzes.

Samstag, 14. Oktober 2017

14.10.2017 - Zunge

Schwerzungige Merkel
Macron spricht heute gleich zweimal in Frankfurt, denn die französische Literatur ist Gastland der Buchmesse. In Frankreich wird mehr und anspruchsvoller gelesen. Auch das zahlt auf das Konto Europas ein. Die Sprachenvielfalt als Bereicherung, nicht als Mauer: Das ist auf der Frankfurter Buchmesse jedes Jahr zu erleben. Und davon spricht Macron, nicht im Stil einer Sonntagsrede, sondern indem er sich selbst glaubwürdig und überzeugend als homme de lettres erweist. Chef feuilleton Jürgen Kaube, FAZ, ist so hingerissen, dass er Franzose sein und von Macron regiert werden will. Putzig. Wenn ich Macron neben Merkel erlebe, geniere ich mich unwillkürlich für diese säuerliche, schwerzungige Biederkeit der Kanzlerin.

Freitag, 13. Oktober 2017

13.10.2017 - Der Falke



Mittelhochdeutsche Lyrik: Minnesang (Liebeskanzone)
Der Kürenberger
Der Falke
[Text nach
1150
]
Ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr.
dô ich in gezamete als ich in wolte hân
und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich ûf vil h
ôhe und fluog in ándèriu lant.
Sît sach ich den valken schône fliegen.
er fuorte an sînem fuoze sîdîne riemen,
und was in sînem gevidere alrôt guldîn.
got sende si zesamene die gerne gelíep wéllen sîn!
(I)
Ich zog mir einen Falken länger als ein
Jahr.
Als er von mir gezähmt und mir zu Wunsche war
und ich um sein Gefieder goldene Bänder wand,
steil stieg er in die Lüfte und flog in andere Land.
(II)
Fortan sah ich den Falken herrlich schwingen;
er trug an seinem Fuße seidene Schlingen,
es glänzte s
ein Gefieder um und um von Gold.
Gott sende sie zusammen, die sich sehnsüchtig hold

Donnerstag, 12. Oktober 2017

12.10.2017 - Mord



Polizistenmord in Heilbronn
Am 25. April 2007 wird die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn in ihrem Streifenwagen hinterrücks erschossen und ihr Kollege schwer verletzt. Die beiden Polizisten hatten das Auto kurz vor 14 Uhr im Schatten einer alten Pumpstation auf der Theresienwiese geparkt, wo hundert Meter entfernt gerade der Rummel für das Maifest aufgebaut wurde. Als Täter wird das NSU-Trio beschuldigt.
Einfach mal so gefragt: Ist es vorstellbar, dass die Angeklagten die Hunderte von Kilometern nach Heilbronn gefahren sind, um zwei Dienstwaffen zu rauben, obwohl sie schon ein ganzes Waffenarsenal zur Verfügung hatten und auch in ihrer Nähe hätten fündig werden können? Was spricht für ihre Täterschaft?  Wenig, sagen auch Juristen und Experten. Noch heute ist ungeklärt, ob Frau Kiesewetter ein Zufallsopfer war, weil die Neonazis es auf ihre Waffe abgesehen hatten.
Clemens Binninger erklärte in dem oben bereits erwähnten Interview, „… dass wir in Heilbronn vier Zeugen haben, die alle unabhängig voneinander kurz nach der Tat blutverschmierte Männer gesehen haben, die in ein Fahrzeug springen. Wenn die Zeugenaussagen zutreffen, woran ich keine Zweifel habe, wären mindestens sechs Personen involviert gewesen. Diese Spur wurde vor 2011 vom LKA auch als sehr relevant eingestuft, dann aber, als der NSU aufflog, wieder verworfen. Ich fürchte, da hat man sich möglicherweise zu früh festgelegt.“