Gabriel,
nicht der Erzengel, sondern der Elefant, musste mit dem Eklat nicht nur
rechnen. Er hat ihn beifallsheischend provoziert. Sonst hätte er nicht ein
Telefonat mit Netanjahu abgelehnt. Er wollte den Eklat.
Weil er wusste, dass er
dafür zuhause im Wahlkampf gelobt würde. Auch von seiner Kanzlerin, was die
Sache nicht besser, sondern schlechter macht. In Deutschland tragen NGOs
generell einen Heiligenschein. Niemand kontrolliert sie, aber sie gelten als
moralisch integer.
Das haben sie mit Religionen
gemeinsam. Wer also mit NGOs spricht, vor allem mit „linken“, kann nichts
Falsches tun. Man wünschte sich, Gabriel würde in China oder in der Türkei
genauso handeln wie in der israelischen Demokratie. Aber das traut er sich
nicht.
Gabriel bestand also darauf, Organisationen durch seine Aufwartung aufzuwerten,
die Israels Soldaten als Kriegsverbrecher schmähen. Der Regierungschef eines
Landes, das seine Existenz vor allem dem Militär zu verdanken hat, darf, ja
muss darüber erzürnt sein.
Julian
Röpcke von der BILD verglich sehr passend: »Man stelle sich vor, Netanyahu käme
nach Deutschland & würde erst die ›außerparlamentarische Opposition‹ von
Pegida oder Antifa treffen.« (Man könnte ergänzen: Oder mit »RT«, dem von
Russland aus angestoßenen TV-Programm, ursprünglich bekannt als »Russia
Today«.)
Der Applaus deutscher »Israelkritiker« ist Gabriel sicher. Es ist, als ob
Gabriel ein Ventil der »Israelkritik« geöffnet hätte. Der Spiegel, der
spätestens seit seinen Trump-Titeln in reichlich
aufgewühltem Wasser unterwegs ist, entdeckt eine alte Sprache neu: die »Lingua
Tertii Imperii«, die Sprache des Dritten Reiches. – Darf man endlich wieder?
In ihrem Spiegel-Online-Newsletter faselt
Christiane Hoffmann von einer »Sonderbehandlung« Israels. Kleine Nachhilfe für
Qualitätsjournalisten mit Geschichtsschwäche: »Sonderbehandlung« war NS-Code
für Ermordung. Hat man Ihnen das in der Schule für Hauptstadtjournalisten nicht
beigebracht?
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