Sonntag, 30. April 2017

30.04.2017 - Behandlung

Gabriel, nicht der Erzengel, sondern der Elefant, musste mit dem Eklat nicht nur rechnen. Er hat ihn beifallsheischend provoziert. Sonst hätte er nicht ein Telefonat mit Netanjahu abgelehnt. Er wollte den Eklat. 

Weil er wusste, dass er dafür zuhause im Wahlkampf gelobt würde. Auch von seiner Kanzlerin, was die Sache nicht besser, sondern schlechter macht. In Deutschland tragen NGOs generell einen Heiligenschein. Niemand kontrolliert sie, aber sie gelten als moralisch integer. 

Das haben sie mit Religionen gemeinsam. Wer also mit NGOs spricht, vor allem mit „linken“, kann nichts Falsches tun. Man wünschte sich, Gabriel würde in China oder in der Türkei genauso handeln wie in der israelischen Demokratie. Aber das traut er sich nicht. 

Gabriel bestand also darauf, Organisationen durch seine Aufwartung aufzuwerten, die Israels Soldaten als Kriegsverbrecher schmähen. Der Regierungschef eines Landes, das seine Existenz vor allem dem Militär zu verdanken hat, darf, ja muss darüber erzürnt sein.

Julian Röpcke von der BILD verglich sehr passend: »Man stelle sich vor, Netanyahu käme nach Deutschland & würde erst die ›außerparlamentarische Opposition‹ von Pegida oder Antifa treffen.« (Man könnte ergänzen: Oder mit »RT«, dem von Russland aus angestoßenen TV-Programm, ursprünglich bekannt als »Russia Today«.)
 
Der Applaus deutscher »Israelkritiker« ist Gabriel sicher. Es ist, als ob Gabriel ein Ventil der »Israelkritik« geöffnet hätte. Der Spiegel, der spätestens seit seinen Trump-Titeln in reichlich aufgewühltem Wasser unterwegs ist, entdeckt eine alte Sprache neu: die »Lingua Tertii Imperii«, die Sprache des Dritten Reiches. – Darf man endlich wieder?
 
In ihrem Spiegel-Online-Newsletter faselt Christiane Hoffmann von einer »Sonderbehandlung« Israels. Kleine Nachhilfe für Qualitätsjournalisten mit Geschichtsschwäche: »Sonderbehandlung« war NS-Code für Ermordung. Hat man Ihnen das in der Schule für Hauptstadtjournalisten nicht beigebracht?

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