Den Deutschen gilt damals noch nicht die Freiheit des Individuums als
höchster Wert. Das unterscheidet sie von den Nachbarn im Westen.
Adenauer kämpft gegen beide Formen des Kollektivismus: Nationalismus und
Sozialismus. Er setzt die Deutschen auf Entzug. Denn er weiß, dieses
Volk „hat den Staat zum Götzen gemacht und auf den Altar erhoben. Die
Einzelperson, ihre Würde und ihren Wert hat es diesem Götzen geopfert“.
Adenauer wettert gegen diesen „preußischen Geist“, wie er ihn nennt. (...)
Für seine großen Ziele geht Adenauer fragwürdige Kompromisse ein. Ein
Viertel der Deutschen plädiert 1950 in Umfragen noch für einen
Einparteienstaat, zehn Prozent halten Hitler noch immer für einen
verdienstvollen Staatsmann. Deshalb schont Adenauer die alten Nazis,
bindet sie ein, schützt sie vor Strafe, bemüht sich, ihnen Vertrauen in
die Demokratie einzuimpfen.
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