Für den Krieg in Syrien gibt es drei mögliche
Lösungen. Entweder gewinnt eine der Konfliktparteien den Krieg, oder
diese verständigen sich auf einen Verhandlungsfrieden. Keine Lösung ist
das, was wir zur Zeit erleben: Alle relevanten Akteure sind sich nur
noch darin einig , lediglich den Sieg der feindlichen Konfliktpartei zu
verhindern. Der Bürgerkrieg wird damit zu einem endlosen Gemetzel, ohne
jede Aussicht auf ein absehbares Ende. Zu jedem Krieg gehört bekanntlich
die Kriegspropaganda. Sie verfolgt den Zweck, dem Feind die Schuld und
moralische Verantwortung für solche Katastrophen nachzuweisen. Sich
selbst billigt man die lautersten Absichten und Motive zu, wogegen dem
Feind buchstäblich alles zuzutrauen ist. (...)
Über solche
außenpolitische Finessen muss sich BILD-Julian-Reichelt als
„Chefredakteur aller Bild-Chefredakteure“ keine Gedanken machen. Gestern
Abend erlebten wir dafür die Folgen einer solchen Kriegspropaganda.
Diese hält den leisesten Zweifel an der eigenen Sichtweise schon für
Verrat. (…)
So ist BILD-Reichelts Diktion von der Methode eines
Revolver-Journalismus geprägt, der Emotionen hochpeitscht, und in erster
Linie nach Feinden sucht. Die findet Reichelt in Damaskus und Moskau.
Dabei formuliert er mit dem Anschein kompromissloser Härte. (...)
So agierte Reichelt nicht als Journalist, sondern als Propagandist einer
Kriegspartei. Diese ist aber leider weitgehend virtuell, selbst wenn
sie sogar „das Gute“ gegen „das Böse“ verkörpern soll. Ansonsten müsste
Reichelt zusammen mit Erdogans Türkei, den wahabitischen Saudis und den
fundamentalistischen Kataris einen Feldzug zum Sturz Assads beginnen.
Oder will er etwa gemeinsam mit den sunnitischen Dschihadisten Damaskus
erobern? Aber mit solchen Schwierigkeiten westlicher Diplomatie, keinen
überzeugenden Verbündeten in Syrien zu haben, muss sich Reichelt nicht
beschäftigen. In seinem Feldzug sind Zweifel nicht erlaubt. (...)
Die „Bild“ musste unter ihrem langjährigen Chefredakteur Kai Diekmann
zuletzt einen rapiden politischen Bedeutungsverlust verkraften. Reichelt
soll das offensichtlich wieder ändern. Mit dem Mittel der Zuspitzung
und dem Ziel der politischen Provokation. Er bringt dafür alles mit, was
die „Bild“ jetzt scheinbar braucht: Die Selbstgefälligkeit des
Ignoranten und die Kaltschnäuzigkeit des Demagogen. Syrien wird damit so
wenig geholfen, wie einer substantiellen außenpolitischen Debatte in
Deutschland. Ob es der „Bild“ hilft, müssen die Leser entscheiden. Diese
haben angeblich „die Schnauze voll“, wie gestern Morgen in den gewohnt
großen Lettern auf der Titelseite zu lesen war. Der Grund waren die Nöte
von Pendlern. Man könnte aber natürlich auch von dieser Form des
Journalismus „die Schnauze voll haben. (siehe FAZ)
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