Die Feindseligkeit, die Männern derzeit pauschal und von allen Seiten
entgegenschlägt, ist grotesk. Die Sexismus-Debatte offenbart ein neues
Phänomen: Zwischen Anmache und sexuellem Missbrauch wird kaum mehr
differenziert. Und für eine Anschuldigung braucht es keinen Beweis mehr,
die Geschichte eines „Opfers“ genügt. Das sollte man als Mann besser im
Kopf haben, möchte man nicht eines Tages für eine unbewusste
menschliche Geste oder ein blödes Anbaggern sozial gelyncht werden.
Der Weinstein-Skandal wird verlängert, es scheint zum Trend geworden,
Männer öffentlich und rückwirkend der sexuellen Belästigung zu
bezichtigen. Eine ehemalige Filmpraktikantin wirft Dustin Hoffman
sexuelle Belästigung vor wegen eines „Ich nehme ein hartgekochtes Ei und
eine weichgekochte Klitoris“ vor 26 Jahren. Der britische
Verteidigungsminister ist zurückgetreten wegen Knietätscheln vor 15
Jahren. Steven Seagal soll vor 22 Jahren eine Schauspielerin im offenen
Kimono und Unterwäsche empfangen, Sepp Blatter vor fünf Jahren an Hope
Solos Po gegriffen haben. Adam Sandler legte neulich in einer TV-Show
seine Hand kurz aufs Knie einer Schauspielerin und ein ehemaliger
Diplomat sah sich zu einer Entschuldigung gezwungen, weil er die
deutsche SP-Politikerin Sawsan Chebli als „jung und schön“ bezeichnete –
eine für sie sexistische Beleidigung, die sie auf Twitter mit „Es war
einfach nur krass“ kommentierte. (Ich persönlich finde ja eher krass,
dass dann wegen Aussagen wie der von Chebli Frauen wie ich leiden – wenn
uns aus Angst kein Mann mehr sagt, wir seien jung und schön).
Es gibt ein Wort dafür, wenn eine unbewusste menschliche Geste, ein
Kompliment oder auch „Dirty Talk“ zum Sexismus-Skandal hochstilisiert
werden, und der Aufschrei und die mediale Aufmerksamkeit wegen
Masturbierens bald größer ist als bei einer Meldung wegen
Vergewaltigung: Hysterie. Weil emotionsgeladene Empfindsamkeit bei
vielen rationales Denken aussetzen lässt, verlieren Menschen den Sinn
für Proportionen: Sie vermengen Flirts, schlüpfrige Witze, Anbaggern,
Belästigung, einvernehmliche Affären, Vergewaltigungen und sexuelle
Übergriffe zu einem einzigen Potpourri. Dass für jeden die
Unschuldsvermutung gilt, bis das Unrecht bewiesen ist – es scheint nicht
mehr zu gelten. Dass ohne Abwägen oder konfrontierendes Gespräch gleich
vom Schlimmsten ausgegangen wird – es ist zur Regel geworden. Der
britische Journalist Peter Hitchens hat es in seiner Daily Mail-Kolumne
über die „kreischenden, flatternden Ankläger“ so formuliert: „Bei dem
Thema haben sie viel gemein mit militanten Islamisten. Auch sie glauben,
dass man von allen Männern annehmen müsse, sie seien sabbernde
Raubtiere.“ (Tichy)
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