Freitag, 24. November 2017

24.11.2017 - Feindseligkeit

Die Feindseligkeit, die Männern derzeit pauschal und von allen Seiten entgegenschlägt, ist grotesk. Die Sexismus-Debatte offenbart ein neues Phänomen: Zwischen Anmache und sexuellem Missbrauch wird kaum mehr differenziert. Und für eine Anschuldigung braucht es keinen Beweis mehr, die Geschichte eines „Opfers“ genügt. Das sollte man als Mann besser im Kopf haben, möchte man nicht eines Tages für eine unbewusste menschliche Geste oder ein blödes Anbaggern sozial gelyncht werden.
Der Weinstein-Skandal wird verlängert, es scheint zum Trend geworden, Männer öffentlich und rückwirkend der sexuellen Belästigung zu bezichtigen. Eine ehemalige Filmpraktikantin wirft Dustin Hoffman sexuelle Belästigung vor wegen eines „Ich nehme ein hartgekochtes Ei und eine weichgekochte Klitoris“ vor 26 Jahren. Der britische Verteidigungsminister ist zurückgetreten wegen Knietätscheln vor 15 Jahren. Steven Seagal soll vor 22 Jahren eine Schauspielerin im offenen Kimono und Unterwäsche empfangen, Sepp Blatter vor fünf Jahren an Hope Solos Po gegriffen haben. Adam Sandler legte neulich in einer TV-Show seine Hand kurz aufs Knie einer Schauspielerin und ein ehemaliger Diplomat sah sich zu einer Entschuldigung gezwungen, weil er die deutsche SP-Politikerin Sawsan Chebli als „jung und schön“ bezeichnete – eine für sie sexistische Beleidigung, die sie auf Twitter mit „Es war einfach nur krass“ kommentierte. (Ich persönlich finde ja eher krass, dass dann wegen Aussagen wie der von Chebli Frauen wie ich leiden – wenn uns aus Angst kein Mann mehr sagt, wir seien jung und schön).
Es gibt ein Wort dafür, wenn eine unbewusste menschliche Geste, ein Kompliment oder auch „Dirty Talk“ zum Sexismus-Skandal hochstilisiert werden, und der Aufschrei und die mediale Aufmerksamkeit wegen Masturbierens bald größer ist als bei einer Meldung wegen Vergewaltigung: Hysterie. Weil emotionsgeladene Empfindsamkeit bei vielen rationales Denken aussetzen lässt, verlieren Menschen den Sinn für Proportionen: Sie vermengen Flirts, schlüpfrige Witze, Anbaggern, Belästigung, einvernehmliche Affären, Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe zu einem einzigen Potpourri. Dass für jeden die Unschuldsvermutung gilt, bis das Unrecht bewiesen ist – es scheint nicht mehr zu gelten. Dass ohne Abwägen oder konfrontierendes Gespräch gleich vom Schlimmsten ausgegangen wird – es ist zur Regel geworden. Der britische Journalist Peter Hitchens hat es in seiner Daily Mail-Kolumne über die „kreischenden, flatternden Ankläger“ so formuliert: „Bei dem Thema haben sie viel gemein mit militanten Islamisten. Auch sie glauben, dass man von allen Männern annehmen müsse, sie seien sabbernde Raubtiere.“ (Tichy)

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