Misstrauisch sein ... Beifall für Merkel
Es ist durchaus möglich,
dass FDP-Chef Christian Lindner die Verhandlungen abgebrochen hat, weil
er ein gewissenloser Egomane ist. Aber die Grünen, die ihm jetzt
mangelnden Patriotismus vorwerfen, gehören zu genau der Partei, in der
„Patriot“ noch immer eher Schimpfwort als Auszeichnung ist.
Vielleicht hat Christian Lindner ja auch aus Überzeugung gehandelt, nur
dass uns Überzeugungen nach über einem Jahrzehnt Merkel-Regierung fremd geworden
sind. Die Grünen sind nicht nur, aber auch eine autoritäre
Verbotspartei, die dazu aufruft, den Nachbarn zu denunzieren, wenn er
sich das Bad schick fliesen lässt („Luxussanierung“). Dass Menschen die
Fliesen in ihrem eigenen Bad nicht frei wählen sollten, ist eine
Überzeugung, die man haben kann – bloß passt sie nicht zur FDP, hat sie
nie. Wie sollten sich Lindner und Trittin je darüber einigen, ob man
durch das Nistgebiet eines seltenen Vogels Glasfaserkabel für
schnelleres Internet verlegen darf?
Das sollte uns misstrauisch
machen. Was man uns Wählern zugestehen muss: Politiker machen es uns
schwer, nicht in Verdruss zu verfallen. Die FDP bricht „überraschend“
die Verhandlungen ab, hat aber schon eine komplette
Social-Media-Kampagne mit abgestimmtem Slogan („Lieber nicht regieren
als falsch“) vorbereitet. CDU und Grüne halten nächtliche
Pressekonferenzen ab, bei denen noch jeder Unterunterunterhändler mit
ins TV-Bild will, um dann ergriffen das eigene Scheitern zu beklatschen. (BILD)
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