Montag, 20. November 2017

19.11.2017 - Elend

Lobgesänge
Heute halten viele Menschen die Aufklärung des 18. Jahrhunderts für eine aufregende Epoche der Vernunft. Ein unerwartetes Ereignis, das neue Energien freisetzte und die frühneuzeitliche Welt auf den Kopf stellte – dank mutiger Kritiker, die Macht, Stolz und Vorurteil verurteilten, die urplötzlich anders dachten, sich eine kühne Zukunft vorzustellen wagten und die ihre Mitbürger anhielten, sich für diese Zukunft einzusetzen und sie zu verwirklichen.
Diese Auffassung
ist leider eine starke Vereinfachung. In Wahrheit war der intellektuelle Umbruch, der im Nachhinein Aufklärung genannt wurde (bei diesem Ausdruck handelt es sich hauptsächlich um einen Neologismus aus dem 19. Jahrhundert, üblicherweise verbreitet von ihren Gegnern), eine viel chaotischere Angelegenheit. Historiker, Philosophen und politische Denker warnen uns vor einer übermäßig optimistischen und deterministischen Interpretation dieser Ära. Großspurige Lobgesänge der „Aufklärung“ sind aus guten Gründen völlig aus der Mode.
„Die radikalsten Denker der Aufklärung rebellierten gegen das allgemeine Elend. Sie prangerten die pessimistischen Stimmen in den eigenen Reihen lautstark an.“ (Tichy)

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