Lobgesänge
Heute halten viele Menschen die Aufklärung des 18.
Jahrhunderts für eine aufregende Epoche der Vernunft. Ein unerwartetes
Ereignis, das neue Energien freisetzte und die frühneuzeitliche Welt auf
den Kopf stellte – dank mutiger Kritiker, die Macht, Stolz und
Vorurteil verurteilten, die urplötzlich anders dachten, sich eine kühne
Zukunft vorzustellen wagten und die ihre Mitbürger anhielten, sich für
diese Zukunft einzusetzen und sie zu verwirklichen.
Diese Auffassung
ist leider eine starke Vereinfachung. In Wahrheit war der
intellektuelle Umbruch, der im Nachhinein Aufklärung genannt wurde (bei
diesem Ausdruck handelt es sich hauptsächlich um einen Neologismus aus
dem 19. Jahrhundert, üblicherweise verbreitet von ihren Gegnern), eine
viel chaotischere Angelegenheit. Historiker, Philosophen und politische
Denker warnen uns vor einer übermäßig optimistischen und
deterministischen Interpretation dieser Ära. Großspurige Lobgesänge der
„Aufklärung“ sind aus guten Gründen völlig aus der Mode.
„Die
radikalsten Denker der Aufklärung rebellierten gegen das allgemeine
Elend. Sie prangerten die pessimistischen Stimmen in den eigenen Reihen
lautstark an.“ (Tichy)
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