Samstag, 9. Dezember 2017

09.12.2017 - Heilig

Heilige Einfalt
Wer noch nicht abgefallen ist, der mag jetzt versucht sein, es zu tun: nicht vom Glauben, aber von dem an die Weisheit seines höchsten Repräsentanten. Der Papst möchte das Vaterunser neu übersetzen lassen. Denn die Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ gefällt ihm nicht. Gott, hat er gerade mitgeteilt, führe nicht in Versuchung, das tue nur der Satan. Also sei es richtiger, Gott zu bitten: „Lass mich nicht in Versuchung geraten“. Sancta simplicitas, halten zu Gnaden. Was wäre denn der Unterschied zwischen „in Versuchung führen“ und „nicht in Versuchung geraten lassen“?
Jemand wandelt seiner irdischen Wege, und am Horizont steht eine Versuchung. Wer hat sie denn dahin gestellt? Also gut, der Satan. Und Gott führt den Menschen jetzt nicht dahin, sondern lässt es eben zu, dass er sich begehrlichen oder schwachen Herzens auf die Versuchung zubewegt. Einmal handelt Gott durch Handeln – „Bitte schön, da geht es lang“ -, das andere Mal durch Unterlassen, er sagt einfach nichts dazu. Das eine Mal wird Gott zugetraut, uns durch die Möglichkeit zum Bösen zu prüfen, das andere Mal wird an ihn appelliert, er möge Warnschilder aufstellen: Das Betreten dieser Privatstraße kostet eine Todsünde. Oder unser moralisches GPS ein bisschen stören, so dass wir an der Versuchung gar nicht vorbeikommen. Oder gar: das Böse entfernen, noch bevor wir in seine Nähe geraten. (FAZ)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen