Glühweinstand
Für die Liebhaber des absurden Theaters gibt es
derzeit eine unendliche Serie in den Nachrichtensendungen. Weil
Koalitionsgespräche nicht reichen, zunächst Sondierungsgespräche und
neuerdings sogar „Vorsondierungen“. Während vorne also immer mehr
sondiert und sinniert wird, kommt hinten eine neue Regierung frühestens
zu Ostern heraus. Es ist eine Regierung der Weihnachtsmänner, die aus
den Osterhasen des Vorjahres neu geschmolzen werden, und dann wieder zu
Hasen mutieren.
Klar, das
Wahlergebnis hat mit FDP und AfD zwei Parteien in den schläfrigen
Bundestag gebracht, und der sitzt sicherheitshalber erst gar nicht mehr
beieinander. Wer geglaubt hatte, die Schwäche der Bundesregierung würde
zur Stunde des Parlaments, der sieht sich getäuscht. Abgeordnete
geistern hilflos durch Berlin, weil ihnen keine Regierung sagt, wofür
sie stimmen müssen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Regierung das
Parlament kontrolliert; dass das Parlament still vor sich hin wartet,
bis es von der Regierung irgendwohin geschubst wird, gehört dazu. Darauf
noch einen Glühwein vom Weihnachtsmarkt. Abwarten am Glühweinstand, bis
es seine Kanzlerin wählen darf! Es kann auch bis zur Mai-Bowle dauern.
In beiden Fällen hat man es satt. (Tichy)
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