Großer Kreis von 68er-Mitläufern: Sozis und Grüne
Die 68er umfassten
nur eine Minderheit ihrer Generation. Aber sie beeinflussten eine
Mehrheit der politisch Aktiven und eine Mehrheit der politischen
Journalisten in dieser Generation. Quasi als abgesunkenes Kulturgut
prägt ihr Ausblick auf die Welt bis heute besonders stark das politische
Feuilleton, wo moralische Besserwisserei und die stille Liebe zum
Marxismus nach wie vor geräumige Nischen bewohnen. Wie jede machtvolle
Bewegung schufen die 68er einen großen
Kreis von Mitläufern, und sie prägten Mentalitäten weit über ihre
damaligen Themen hinaus. Ohne das Ferment der 68er gäbe es keine
politische Bewegung der Grünen, keine Abschaltung der Kernkraftwerke und
keine Energiewende. Das Konzept der sexuellen Befreiung führte in der
Konsequenz zur heutigen Kinderarmut in Deutschland, aber auch zur
Abschaffung von der Idee der Ehe als der Lebensgemeinschaft von Mann und
Frau.
Als jugendlicher Zeitgenosse hielt ich die politischen
Ansichten der 68er für angsterregend idiotisch, ihren Mangel an
historischer und politischer Bildung für abstoßend, ihre Empfindlichkeit
für die Leiden in der Dritten Welt angesichts des ihnen offenbar
gleichgültigen Leidens hinter dem Eisernen Vorhang für heuchlerisch. Der
selektive Blick der 68er auf die Welt ist für mich die Geburtsstunde
der alternativen Fakten in der Nachkriegs-Moderne. (Sarrazin)
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