Dienstag, 25. Juli 2017

25.07.2017 - Qual

„Gott“ ist ein höchst gefährliches Wort. Es kann in allen möglichen Kontexten verwendet werden und ist gegen vielfältigen Missbrauch wie insbesondere politische Indienstnahme nicht geschützt. Theologische Aufklärung muss deshalb die vielen unterschiedlichen Arten des Redens von Gott analysieren. Sie muss zeigen, wie Menschen sich ihre Götter machen und welche Funktionen sie diesen „höheren Mächten“ zuweisen. Oft ist „Gott“ nur eine gigantische Projektionsfläche für egozentrische Wünsche oder diffuse Sehnsucht nach bergender Gewissheit. ...
Wer antrophozentrisch denkt, wird nie die richtige Antwort finden. Wir sind Wesen der fortlaufenden Entwicklung auch unserer geistigen Erkenntnisfähigkeit. Von Stufe zu Stufe, gleich einem Menschen der einen Berg besteigt, weitet sich der Blick und neue Zusammenhänge werden sichtbar. Die Wahrheit liegt in heute noch nicht sichtbarer und verstehbarer Zukunft.
Es ist müßig über das Heute zu streiten. Wer auf dem Boden des "Heute" argumentiert, wird mit der Erkenntnis des "Morgen" sein Urteil als falsch erkennen. Die Religionen setzen einfach an die Stelle des "nicht Wissen könnens" den Glauben. Dies erlöst von der Qual der Ungewissheit, in der der Mensch auf Dauer nicht leben will. (FAZ)

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