„Gott“ ist ein höchst gefährliches Wort. Es kann in allen möglichen
Kontexten verwendet werden und ist gegen vielfältigen Missbrauch wie
insbesondere politische Indienstnahme nicht geschützt. Theologische
Aufklärung muss deshalb die vielen unterschiedlichen Arten des Redens
von Gott analysieren. Sie muss zeigen, wie Menschen sich ihre Götter
machen und welche Funktionen sie diesen „höheren Mächten“ zuweisen. Oft
ist „Gott“ nur eine gigantische Projektionsfläche für egozentrische Wünsche oder diffuse Sehnsucht nach bergender Gewissheit. ...
Wer antrophozentrisch denkt, wird nie die richtige Antwort finden. Wir
sind Wesen der fortlaufenden Entwicklung auch unserer geistigen
Erkenntnisfähigkeit. Von Stufe zu Stufe, gleich einem Menschen der einen
Berg besteigt, weitet sich der Blick und neue Zusammenhänge werden
sichtbar. Die Wahrheit liegt in heute noch nicht sichtbarer und
verstehbarer Zukunft.
Es ist müßig über das Heute zu streiten. Wer
auf dem Boden des "Heute" argumentiert, wird mit der Erkenntnis des
"Morgen" sein Urteil als falsch erkennen. Die Religionen setzen einfach
an die Stelle des "nicht Wissen könnens" den Glauben. Dies erlöst von
der Qual der Ungewissheit, in der der Mensch auf Dauer nicht leben will. (FAZ)
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