Schleichwege zum Chaos ... Der Deutsche, da war sich Friedrich Nietzsche sicher, «versteht sich auf Schleichwege zum Chaos». Nach den Bildern aus Hamburg wird ihm niemand widersprechen: verwüstete Strassenzüge, brennende Autos, Anarchisten, die von Hausdächern Molotowcocktails auf Einsatzkräfte warfen – und vor allem eine Polizei, die heillos überfordert schien.
Anschliessend hiess es rechtfertigend, niemand habe das Ausmass der Gewalt vorhersehen können. Dabei gab es schon bei anderen internationalen Konferenzen brutale Ausschreitungen. Die jüngere deutsche Krawall-Geschichte kennt ebenfalls solche Szenen, inklusive Brandsätzen und Steinen, die von Dächern herabgeschleudert wurden. Die Bedrohungslage war also nicht neu. Wieso versagte dann der Staat so eklatant? Die Suche nach Antworten hat im Jahr der Bundestagswahl besondere Brisanz.
Zugrunde liegt dem ein Politikverständnis, wonach es keine Konflikte mehr gibt, die sich nicht im Diskurs auflösen lassen. Dazu gehört ein Jargon der Uneigentlichkeit, der alle Probleme kleinredet.
Die Verharmlosung der Gewalt beginnt bei der Wortwahl. Man nennt Strassenkämpfer Demonstranten, obwohl sie nicht ihr Grundrecht auf Meinungsfreiheit ausüben, sondern brandschatzen und den Tod von Polizisten in Kauf nehmen. Weil diese um ihr Leben fürchteten, überliessen sie zeitweise ganze Strassenzüge kampflos dem Mob.
Der Unwillen, Probleme ungeschminkt zu benennen, wird gerne mit politischer Korrektheit erklärt. Dabei gibt es sehr deutsche Gründe, angefangen bei der kollektiven Psyche einer wiedervereinigten Nation, welche die Ost-West-Spannungen nicht anheizen wollte und alles vermied, was den fragilen Familienfrieden gefährdete. ... weiterlesen unten bei NZZ...
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