Jüngst hat der Aufbau-Verlag die Briefe von
Victor Klemperer veröffentlicht, dem Professor der Romanistik, der die
Hitler-Zeit in Dresden überlebte und mit seinem Tagebuch eine Chronik
des Alltags der Judenverfolgung schrieb. 1953 gratulierte Klemperer
seinem Neffen Peter und dessen Frau Inge zur Geburt ihres Sohns David.
Der Großonkel machte sich Gedanken darüber, ob David wegen seines Namens
später Anfeindungen erleben werde. Es war für den Einundsiebzigjährigen
aber nicht nur eine Frage der Klugheit,
ob ein Kind einen Namen erhalten sollte, der als Hinweis auf
Zugehörigkeit zum Judentum verstanden wurde. Klemperer legte seine
„eigene Position“ dar: „Ich habe einen furchtbaren Hass auf allen
Rassenhochmut.“ Diesen Hochmut sah er nicht nur im 1945 untergegangenen
Staat der Judenfeinde, sondern auch in dem Staat der Juden, der drei
Jahre später in Palästina proklamiert worden war. „Antisemitismus und
Zionismus sind mir gleichermaßen widerwärtig und scheinen mir
gleichermaßen vorsintflutlich.“
Würde Klemperer diese These heute in
einem Artikel in einer deutschen Zeitung oder in einem Vortrag an einer
deutschen Universität vertreten, wäre der Skandal programmiert. Und
nähme er an einer Demonstration unter dieser Losung teil, träten ihm
Gegendemonstranten in den Weg, an der Spitze vermutlich Volker Beck, der
Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des
Bundestages. Als nämlich vor zwei Wochen in Frankfurt eine Konferenz zum
fünfzigsten Jahrestag der israelischen Besetzung der
Palästinensergebiete stattfand, reiste der Grünen-Abgeordnete an, um
dagegen zu protestieren, dass die Tagung nicht abgesagt worden war. Beck
sagte: „Wer gegen Zionismus ist, der ist gegen den Staat Israel, und
dem werden wir nicht widerspruchslos unsere Straßen zur Verfügung
stellen.“ (FAZ)
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