„Ich bin kein Imperiumsnostalgiker“, sagt Gerwarth. „Aber ich finde, dass
es im österreichisch-ungarischen Kaiserreich vergleichsweise gut geklappt hat.
Die großen Zwischenkriegsromane sind von ehemals habsburgischen Juden
geschrieben worden. Sie hatten in jener Zeit Rechtssicherheit und ein Maß an
Gleichberechtigung, das ihnen die Nachfolgestaaten, also aggressiv
nationalistisch auftretende Regime, verwehrt haben.“
Manches spricht dafür, die Jahre nach 1918 im Sinne osteuropäischer Historiker
als Zeit eines „erweiterten europäischen Bürgerkriegs“ zu deuten. Der Untergang
der großen Reiche und die Auflösung ihrer Suprastrukturen führten zur
Entfesselung ethnischer Konflikte, die nur gewaltsam unter Kontrolle zu bringen
waren. Kein Zufall, dass Stefan Zweigs Autobiographie „Die Welt von gestern“
wieder hochaktuell geworden ist. „Die dort aufgeworfenen Fragen“, sagt
Gerwarth, „bleiben unbeantwortet und treiben uns bis heute um.“
Sein Fach hilft, die Wurzeln der Fragen zu erkennen, die wir uns zu stellen
haben, sagt der Historiker Robert Gerwarth. Unlängst hat er ein Buch über die
Verlierer…
faz.net|Von FAZ.NET - Frankfurter Allgemeine Zeitung
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