Montag, 12. Juni 2017

12.06.2017 - Kaiserreich



„Ich bin kein Imperiumsnostalgiker“, sagt Gerwarth. „Aber ich finde, dass es im österreichisch-ungarischen Kaiserreich vergleichsweise gut geklappt hat. Die großen Zwischenkriegsromane sind von ehemals habsburgischen Juden geschrieben worden. Sie hatten in jener Zeit Rechtssicherheit und ein Maß an Gleichberechtigung, das ihnen die Nachfolgestaaten, also aggressiv nationalistisch auftretende Regime, verwehrt haben.“
 
Manches spricht dafür, die Jahre nach 1918 im Sinne osteuropäischer Historiker als Zeit eines „erweiterten europäischen Bürgerkriegs“ zu deuten. Der Untergang der großen Reiche und die Auflösung ihrer Suprastrukturen führten zur Entfesselung ethnischer Konflikte, die nur gewaltsam unter Kontrolle zu bringen waren. Kein Zufall, dass Stefan Zweigs Autobiographie „Die Welt von gestern“ wieder hochaktuell geworden ist. „Die dort aufgeworfenen Fragen“, sagt Gerwarth, „bleiben unbeantwortet und treiben uns bis heute um.“

Historiker Robert Gerwarth: Eine „Ost-Erweiterung“ in der Deutungsgeschichte dieses Krieges
Sein Fach hilft, die Wurzeln der Fragen zu erkennen, die wir uns zu stellen haben, sagt der Historiker Robert Gerwarth. Unlängst hat er ein Buch über die Verlierer…

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