Nicht nur Linksliberale und die Zeitgeistigen
haderten damit, dass hier jemand mit dem Saumagen Politik machte. Auch
Konservative behandelten Kohl, als könne er es nicht, als sei er ein
Stümper, als verhunze er das Idealbild von Politik.
Das ist einer der
Gründe, warum sich Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt oder Richard von
Weizsäcker zeitlebens für die Besseren hielten und warum das „Aussitzen“
seither zum Repertoire nicht nur linker, sondern auch rechter Kritik an
einer Politik gehört, der die
„fortschrittliche“ Unruhe, das Fingerschnippen der einfachen Lösungen,
das Ideale fehlt. ...
Denken in „guter Metropole“ und „böser Provinz“
gehört zu einer eigenartigen Amnesie der Bundesrepublik, dessen
Zukunftsträchtigkeit Kohl sechzehn Jahre lang widerlegte. Die Pfalz –
oder jede andere historische Landschaft Deutschlands – ist eben nicht
ein Hort der Unvollkommenheit oder Rückständigkeit, sondern das große
Kleine im kleinen Großen.
In diesem Fall äußert sich das in der engen,
nachrevolutionären Verbindung zu Frankreich, die Land und Leuten eine
frühe republikanische Prägung und gelassene Lebensart gab. Ohne diese
Vielfalt deutscher „Provinz“ wäre die Einheit eine ziemlich trostlose
Angelegenheit und eben die gesichtslose Machtmaschinerie geworden, die
Kritiker Kohls gerade daraus, aus seiner vermeintlich minderbemittelten
Herkunft heraus erklären wollten.
Es ist eine Ironie der Zeitgeschichte,
dass der Kanzler dieser Einheit das architektonische Sinnbild solcher
Befürchtungen, das Kanzleramt der Berliner Republik, zwar entwerfen
ließ, aber nie bezog. FAZ
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