Das Exponat liegt neben anderen Druckwerken in einer Vitrine im Innenhof
des Martin-Gropius-Baus in Berlin, und es ist so klein, dass man es
fast übersieht. „An den Christlichen Adel deutscher Nation“ heißt die
Schrift, mit der sich der Augustinermönch Luther im August 1520 an die
Fürsten des Heiligen Römischen Reiches wendet. In ihr kündigt er den
Konsens des Mittelalters auf: den Vorrang der geistlichen vor der
weltlichen Gewalt, die Mittlerrolle der Kirche,
die Priesterweihe. Wir alle, schreibt er, seien durch die Taufe zu
Priestern geweiht. Jeder Geistliche, auch der Papst, unterstehe der
weltlichen Justiz. Das kleine Heft hat Broschürenformat; in heutiger
Type füllt der Text keine zehn Seiten. Seine Wirkung jedoch geht in
Wellen aus Feuer, Blut und bedrucktem Papier durch die letzten
fünfhundert Jahre menschlicher Geschichte, und der Konflikt, den Luther
mit einem Gewaltstreich löst, das Verhältnis zwischen Staat und
Religion, beschäftigt uns immer noch.
FAZ
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