"Der Dichter bezeugt die Freiheit in der Dichtung, so wie die Katze sie
in ihrem ganzen Wesen bezeugt. Es kann daher nicht wundernehmen, daß
beide so oft befreundet sind. Im Wort gewinnt der Dichter Freiheit;
keine Not, kein Zwang erreichen, daß er es beugt oder verletzt. (...)
Die Katze gehorcht nicht auf Befehl. Sie kommt entweder freiwillig oder
gar nicht. (...)
In dieser Hinsicht repräsentiert unsere Hauskatze den
Familientypen reiner als der Löwe und der Tiger, deren Dressur
freilich ein Wagnis bleibt. Die Katze macht nicht Männchen, sie läßt
sich keinen Frack anziehen. Sie läßt sich nicht bändigen, das
widerspräche der Würde, für die sie Sinn hat und auf die sie hält.
Sie
wird sich auch nicht auf Kläffereien und Beißereien einlassen, sondern
geht dem aus dem Weg. Wird sie gestellt und findet keinen Ausweeg, so
kämpft sie bis zum Tod. Baudelaire ist Freund der Katzen; er hat sie wie
auch andere Tiere in ihrer Tiefe erfaßt."
Ernst Jünger: Annäherungen.
Kapitel 107
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