Bloch war lange, viel zu lange Stalinist,
hatte sich öffentlich für die «Säuberungen» unter Stalin ausgesprochen,
deren Opfer in die Millionen gingen.
Erst spät – und überraschend –
sprach er von «Heimat» als einem bisher unerfüllten Kindheitstraum. Die
Hoffnung, welcher hier Raum gegeben wird, ist eine Mischung aus
christlicher Endzeiterwartung und Verheissung eines innerweltlichen
Paradieses. Das Neue Jerusalem, das in der Offenbarung des Johannes noch vom Himmel herniedersank, ist für den Kommunisten Bloch ein Ergebnis des siegreichen Proletariats.
Ernst Blochs monumentales Werk der fünfziger Jahre, «Das Prinzip
Hoffnung», schliesst mit einer berühmten Passage: «Die Wurzel der
Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten
umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine
ohne Entäusserung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so
entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin
noch niemand war: Heimat.»
Je exakter die utopische Vision des
Juden, Stalinisten und Kommunisten Ernst
Bloch, desto geringer die
Gefahr ihrer Realisierung.
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